Die Japaner
Einige Beobachtungen

Kommt man nach einem langen Flug endlich in Tokyo an, so registriert
man als Europäer umgehend einige Unterschiede:
1.) Tokyo ist groß
2.) Es gibt hier verdammt viele Japaner (Schätzungsweise 4 pro Quadratmeter)
3.) Man hat eine lange Nase und fällt auf
4.) Mit Englisch kommt man nicht ohne weiteres weiter.
Zwar lernt jeder Japaner Englisch in der Schule, da es aber im Alltag
fast nie benötigt wird fehlt es an Übung und das Vergessen ist dementsprechend
groß. Darüberhinaus dürfte auch der Gesichtsverlust hineinspielen:
Es scheint die Angst der Japaner groß zu sein, den Ausländer nicht
zu verstehen bzw. selbst durch die "schlechte" Aussprache
nicht verstanden zu werden.
5.) Nichtsdestotrotz: Die Hilfsbereitschaft der Japaner ist ungeschlagen.
Wenn es mit dem Englisch nicht so klappt, wird eben wild herumgestikuliert
oder ein weiterer Japaner hinzugezogen.
6.) (Kunden-) Freundlichkeit wird in Japan groß geschrieben: Japaner
verbeugen sich bei jeder Gelegenheit und bedanken sich pausenlos.

7.) Auch die Ehrlichkeit der Japaner ist auffällig: Diebstahlsicherungen
in Kaufhäusern sucht man vergeblich. Wahrscheinlich könnte man auch
auf Schließfächer an Bahnhöfen komplett verzichten und das Gepäck
einfach herumstehen lassen. Die größte Gefahr dürfte dann wohl darin
bestehen, dass sich jemand die Zeit nimmt und auf das Gepäck aufpasst.
8.) Jeder Japaner hat mindestens ein Handy, natürlich auf dem neuesten
Stand der Technik. Aber im Gegensatz zu uns Europäern stellt er es
auf lautlos und telefoniert nicht laut, so dass jeder mitbekommt,
dass heute ein gemeinsames Abendessen mit Schatzibär ansteht. Der
Wunsch, jemanden wegen seier Art zu telefonieren gegen die Wand zu
klatschen, entfällt daher in Japan.
9.) Man wird von einem Japaner so gut wie nie ein "Nein"
zu hören bekommen, da dies als hart bzw. unhöflich empfunden wird
und die Harmonie stört. Diese gilt in Japan als ein hohes Gut, welches
anzustreben und zu schützen allen auferlegt ist. Wer diese Ordnung
stört, sich also nicht an den Verhaltenskodex hält, der muss unweigerlich
mit Sanktionen aus seinem unmittelbarem Umfeld rechnen. Gegenüber
Gaijins sind Japaner aber sehr tolerant bzw. erwarten sie von einem
Ausländer schlicht, dass er sich falsch verhält.
Typische japanische Verhaltensweisen
Spätestens aber nach einem Monat wird man schon die eine oder andere
praktische Verhaltensweise der Japaner gerne übernommen haben. Die
dazu im Internet kursierende Liste mit typischen Symptomen eines zu
langen Japanaufenthalts möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht
vorenthalten, bietet sie ja auch gerade für Japanunwissende einige
lustige Einblicke in den Alltag:
Du bist bereits zu lange in Japan, wenn...
- Du dir einen Abend freinehmen musst, um deine Kinder zu sehen
- Du denkst, dass richtiger Reis an den Stäbchen kleben muss
- Du deine Eltern zuhause besuchst und fragst, in welchen Abfalleimer
der brennbare Müll kommt
- Du denkst, dass alle Frauen ihre Stimme um eine Oktave heben,
wenn sie höflich sprechen
- Du anfängst, Getränkeautomaten mit 10 verschiedenen Kaffee-Sorten
zu lieben
- Du im Stäbchen-Wettessen mit Japanern den zweiten Platz belegst
- Du nach einem Bad ohne Schaumeffekt bei exakt 43 Grad verlangst
- Du bemerkst, dass du dich am Telefon verbeugst
- Du einen Gaijin im Zug siehst und denkst: "Wow, ein Gaijin!"
- Du auf den ersten Sommertag wartest, um die Kurzarm- Hemden anzuziehen
- Das erste Zusatzgerät für dein Auto ein Fernseher ist
- Du einen deutschsprachigen Freund anrufst und es in den ersten
3 Minuten nicht schaffst, zum Thema zu kommen
- Du denkst, das Beste am Fernsehen sind die Werbespots
- Dir Werbespots plausibel erscheinen
- Du denkst, es ist cool, in der "Japanese Only"-Warteschlange
beim Immigration-Schalter am Flughafen Narita zu stehen
- Du meinst, nasse Regenschirme in Riesenkondome einpacken zu müssen
- Du die Kunst gemeistert hast, dich gleichzeitig zu verbeugen
und die Hand zu schütteln
- Du denkst, der natürliche Ort für einen Biergarten ist das Dach
- Dir eine 4-lagige Verpackung für Geschenke sinnvoll erscheint
- Du nicht überrascht bist, inmitten von Reisfeldern eine Vending-Machine
ohne sichtbare Stromzufuhr zu sehen
- Du dir dann nichts dabei denkst, wenn diese einsame Maschine
"Thank you" zu dir sagt, nachdem du eine Coke gekauft
hast
- sich ein Nichtjapaner neben dich setzt und du aufstehst und den
Platz wechselst. Du hast zwar keine Vorurteile, aber man weiß ja
nie
- Du kein Foto knipsen kannst, ohne daß nicht mindestens zwei Personen
auf dem Bild sind und mit den Fingern das "Victory"-Zeichen
bilden

- Du meinst, daß eine Sorte Reis besser schmeckt als eine andere
- Du dich vor einem Geldautomaten verbeugst
- Du dich vor anderen Fahrern verbeugst, die dir die Vorfahrt gewähren
- Du dich mindestens dreimal in jedem Gespräch entschuldigst
- Du eine einzeln verpackte Kartoffel im Supermarkt kaufst
- Du mit deinen Eltern sprichst und ihre Sätze dauernd mit einem
Brummen unterbrichst
- Du ein Erdbeben der Stärke 4 einfach verschläfst
- Du deine Eltern lobst, weil sie so gut mit der Gabel umgehen
können
- Du auf eine Tankstelle fährst und darauf wartest, dass eine Handvoll
Leute dein Auto tankt, den Reifendruck prüft und deine Scheiben
putzt
- Du ab 70 km/h in einen Geschwindigkeitsrausch verfällst
- Du im Kalender nachsiehst, ob die Regenzeit schon angefangen
hat
- Du denkst, der Zug ist *leer*, wenn du etwas fallen lässt und
es auf dem Boden landet
- Du dich fragst, ob der Ausländer, der gerade zu dir ins Onsen-Becken
steigt, auch wirklich ausreichend gewaschen hat
- Du nach einem Love Hotel fragst, um günstig zu übernachten
- Dich ein Ausländer mit "Hello" auf der Strasse grüsst
und du dich fragst, was das wohl bedeutet
- Du es als Verschwendung ansiehst, die Zeitung wegzuwerfen, wenn
du sie noch als Klopapier benutzen kannst
- Du Gokiburi (Kakerlaken) aus Kanto und Kansai unterscheiden kannst
- Du alle wichtigen Jahreszahlen in Showa-Zahlen ausdrücken kannst
- Du eine Frau für komisch hälst, die in der Bahn eine Zeitung
oder eine Zeitschrift liest
- Du bei einem Hausbesuch in Deutschland nicht nur deine Schuhe
ausziehst, sondern sie auch so hinstellst, dass die Schuhspitzen
zur Tür zeigen
- Du in einem Fast Food-Restaurant deine Einkaufstasche auf einen
Sitz legst, um den Tisch zu reservieren, und davon ausgehst, dass
die Tasche noch da ist, wenn du wiederkommst
- Du das Zirpen der Grillen abends gar nicht mehr hörst
- Du daran denkst, die Klopuschen wieder auszuziehen, bevor du
die Toilette verlässt
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